Ankaufservice für alte Bücher und CDs

Wem schonmal die Ehre (*g*) zuteil wurde, mich im »real life« in meinem Keller zu besuchen, der wird im Wohnzimmer unwei­gerlich die übervollen Bücherregale, in denen sich Bücher schon in zweiter und dritter Reihe stapeln, bemerkt haben. Allerdings gehören diese Papierberge nur zu der Spitze des sprich­wört­lichen Eisbergs. So habe ich im Wohnbereich quasi nur die Bücher um mich herum, auf die man gerne in relativ kurzer Zeit Zugriff hat. Dementsprechend gehören auch etwa 80% der Bücher in die Rubrik »Fachbuch«.

Bei einer kürz­lichen Erkundungstour durch die archi­vierten Bestände meiner kleinen Bibliothek sind mir zum wieder­holten Male einige Exemplare in die Finger gefallen, die ich schon seit teilweise 15 Jahren und länger besitze, deren Inhalt aber seit gut zehn Jahren nicht mehr inter­essant oder nur noch von minderem Interesse ist. Allerdings waren es nicht immer nur nost­al­gische Gedanken an die »gute alte Zeit«, als man noch unter OS/2 in Smalltalk versuchte, Software zu schreiben oder die ersten Schritte in die Unix-Welt wagte, die mich dazu veran­lassten, nach und nach einen kleinen Wald in Buchform in Kisten und Schränken zu bunkern.

Ein Grund war sicher die Unfähigkeit, ein Buch zu entsorgen. Wegwerfen oder der ther­mi­schen Verwertung zuführen kommt schon aus reinem Anstand nicht in Frage. Eine Alternative wäre verschenken — das Problem hierbei aber: wer will den Kram? Also verkaufen. Klingt ja verlo­ckend, aber da kam mir bisher immer Grund zwei in die Quere — meine Faulheit.

Bücher einzeln über eBay, Amazon oder andere Buchbörsen zu veräussern schien mir immer zu aufwendig. Vor allem, da man für die meisten Bücher nur noch einen Bruchteil des ursprüng­lichen Kaufpreises erwarten darf. Wegen ein oder zwei Euro also den ganzen Aufwand mit Verpackung, Porto, zur Post laufen und dem ganzen Drumherum? Klingt plötzlich doch nicht mehr so verlo­ckend. Papier ist ja zum Glück geduldig, und Bücher im dunklen, dunklen »Kellerverlies« erst recht.

Vor einigen Tagen bin ich aber über einen inter­es­santen Online-Ankaufservice für CDs, DVDs, Spiele und Bücher gestolpert: momox​.de. Hier tippt man einfach die Strichcodes der CDs oder DVDs ein, die man nicht mehr braucht und der Online-Dienst schlägt einen Ankaufspreis vor. Dieser Preis richtet sich nach der Chance für momox, diesen Artikel auch wieder verkaufen zu können. Nicht jeder Artikel wird von dem Online-Dienst als wertvoll genug erachtet, aber so manchen kleinen Schatz findet man in jeder verstaubten Sammlung.

Da ich mich aber von meinen CDs sicher nie trennen werde habe ich einen sehr alten und staubigen Bücherstabel genommen und die ISBNs der Bücher in das Formularfeld einge­tippt. Von den 28 Büchern waren nachher 22 für momox noch aktuell und nach­ge­fragt genug, um sie aufzu­kaufen. Im Schnitt brachte jedes der Bücher knapp zwei Euro. Romane bringen dabei das wenigste, Beträge etwas zwischen 40 Cent und 1,50 EUR. Fachbücher sind hier lohnender. Für ein knapp zehn Jahre altes, dünnes Büchlein über die Programmierung von PalmOS-Programmen bot mir der Dienst 7,58 EUR.

Insgesamt war der Verkaufskorb nach nur wenigen Minuten ISBNs abtippen mit 22 Büchern im Wert von gut 60,- EUR gefüllt. Das stimmte mich äußerst positiv. Für das Geld kann man sich wieder ein schönes, dickes neues Buch (*seufz*) kaufen und hat wieder jede Menge mehr Platz im Regal. Aber Bücher sind nicht gerade leicht, und Paketdienstleister achten doch meist genauer auf das Gewicht von Paketen und berechnen danach auch das Porto. Einer der großen Haken, die mich schon früher vom Online-Buchverkauf abge­halten haben.

BuchpaketeHier überraschte der momox–Dienst aller­dings wieder positiv. Auf Wunsch werden die Bücher von DHL bei mir abgeholt. Oder aber man kann sich fertige Paketmarken ausdrucken und die Buchpakete kostenfrei bei der Post oder in der Packstation abgeben. Einfacher und komfor­tabler kann es fast nicht mehr gehen. Anstatt jetzt 22 Einzelpakete zu packen, wie es sonst der Fall gewesen wäre bei einem Verkauf über eBay oder Amazon hatte ich nachher nur zwei große Kartons vor mir, voll­ge­stopft mit dem anti­quierten Lesestoff. Paketmarke ausge­druckt, aufge­klebt und ab damit zur Packstation — fertig.

Insgesamt hat mich das auswählen und aussor­tieren der Bücher am meisten Zeit gekostet. Aber die wäre so oder so immer ange­fallen. Das erfassen der Verkaufsobjekte über die Webseite und die weitere Abwicklung inklusive dem Verpacken hat gerade mal eine halbe Stunde gedauert. Jetzt werden die Pakete in den nächsten Tagen in Berlin eintreffen und dort innerhalb von maximal fünf Werktagen überprüft. Entsprechen die Bücher den Zustandsvorschriften von momox dauert es nochmal maximal fünf Tage und das Geld ist auf meinem Konto. Alles in allem eine sehr prak­tische Sache wie ich finde.

Ich hätte wahr­scheinlich bei einem Einzelverkauf für den ein oder anderen Titel etwas mehr bekommen. Aber ein Einzelverkauf ist mit sehr viel mehr Arbeit und Aufwand verbunden und allgemein in meinen Augen proble­ma­ti­scher in der Abwicklung. In den nächsten Tagen werde ich mich wahr­scheinlich noch von einer ganzen Reihe weiterer alter Bücher auf die gleiche Weise trennen. Wer das »Buchhortungsproblem« kennt sollte viel­leicht auch einmal darüber nachdenken.

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