Aquariensteine testen
Seit ein paar Tagen »läuft« mein neues Aquarium nun schon ein, die ersten Pflanzen sind drin und sobald sich die Wasserwerte stabilisiert haben werden auch bald die ersten Bewohner (Zwerggarnelen) einziehen. Stabile Wasserwerte? Ach ja, richtig, die muss man testen. Wer die Wasserchemie im Aquarium im Auge behalten will, sollte sich nicht auf Eintauch-Teststreifen — auch »Ratestäbchen« genannt — verlassen. Denn in den meisten Fällen macht man genau das, man muss einen Wert raten.
Ich habe mir also mal enige richtige Wassertests von Sera besorgt, um die wichtigsten Werte wie zum Beispiel Gesamthärte (gH), pH-Wert etc. zu bestimmen. Die Wasserhärte hat mir bei meinem 10 Liter Nanobecken schon einige Probleme bereitet, da das Wasser hier aus der Leitung kommt sehr hart ist. Die Stadtwerke geben einen Wert von 22,5 – 23,5 °dH an. Diesen hohen Wert konnte ich mit meinem Wassertest auch bestätigen und war soweit keine Überraschung.
Das Wasser in meinem neuen Fluval Edge sollte aber, nach ein paar Tagen im Aquarium etwas an Härte verloren haben. Wasser wird natürlich nicht von alleine weicher, indem es längere Zeit in einem Aquarium ist. Durch biologische Verfalls– und Zersetzungsprozesse durch Mikroorganismen und Bakterien sinkt die Wasserhärte allerings. Und da in dem Becken seit ein paar tagen Pflanzen gedeihen und auch die ersten Bakterien und Mikroorganismen im Filter ein neues Zuhause gefunden haben sollte dieser Effekt auch schon eingetreten sein. So war ich beim Testen sehr zuversichtlich, einen etwas niedrigeren Wert bei der Härtemessung zu erhalten.
Aber dem war leider gar nicht so. Das Wasser im Aquarium hatte tatsächlich eine Gesamthärte von 26 °dH! Drei Grad mehr, als das Wasser aus der Leitung! Wie kann sowas sein?
Klar, irgendwas im Becken gibt Kalk ans Wasser ab. Da an Einrichtung nur ein paar Schiefersteine, weiße Aquarien-Dekosteine aus dem Fachgeschäft und eine Wurzel in Frage kamen, war der »Kreis der Verdächtigen« schnell eingegrenzt. Wurzeln geben im Allgemeinen keinen Kalk ins Wasser, im Gegenteil sorgen die abgegebenen Huminstoffe eher für weicheres Wasser. Auch im Schiefer gibt es, durch die Entstehung von Schiefergestein bedingt nur sehr selten Kalkeinschlüsse. Auf keinen Fall aber dermassen viel, dass das Wasser in kurzer Zeit so stark aufgehärtet wird.
Bleiben also nur noch die weißen Dekosteine, die angeblich die Wasserchemie nicht verändern sollten. Aber wie soll man sowas testen? Einen Stein in Wasser legen, die Härte messen und nach ein paar Tagen erneut messen? Würde klappen, dauerte mir aber zu lange. Ich wollte die Ursache möglichst schnell feststellen um den Übeltäter aus dem Aquarium verbannen zu können.
Und da fiel mir der schon einige Jahre zurückliegende Chemieunterricht aus der Schule wieder ein. Mit einer Säure wäre es möglich, meine Steine auf Kalkgehalt hin zu testen. Gedacht, getan. Leider hatte ich keine Essigsäure mehr zur Hand, also musste ich zu 30%iger Salzsäure greifen. Das hatte dann auch den Vorteil, dass die Reaktionen beim Versuch etwas heftiger ausfielen und eine Fehlinterpretation nahezu ausgeschlossen war.
Wie geht man also vor, wenn man seine Aquariensteine (möglichst bevor sie ins Becken kommen) testen möchte, ob sie das Wasser aufhärten werden oder nicht? Man nimmt sich eine Säure (Essigsäure oder schwache Salzsäure) und topft etwas auf den zu testenden Stein. Passiert gar nichts, dann ist kein Kalk enthalten, der Stein wird das Wasser also nicht härter machen. Fängt es aber an zu schäumen, zu blubbern usw. dann reagiert die Säure mit dem Kalk im Stein. Dieser Stein wird also das Wasser im Aquarium aufhärten. In meinem Fall also das Wasser in Beton verwandeln. Leute mit sehr weichem Leitungswasser könnten diese Steine dann bewusst einsetzen, um die Wasserhärte etwas anzuheben. Auch für Meerwasseraquarien ist härteres Wasser meist wünschenswert.
Ich hab vom Steinetesten ein kleines Video gemacht. Die Salzsäure habe ich dabei natürlich etwas verdünnt, und, ganz wichtig, Gummihandschuhe getragen. Sicherheit geht vor… und so. ;-)
Auch habe ich für das Video die Steine in die Säure eingetaucht, und nicht wie oben beschrieben nur auf die Steine getropft, um die Reaktion des kalkhaltigen Steins mit der Säure besser zu verdeutlichen.
Tipp: Falls gerade keine Säure zur Hand ist: mit normalem Essig lässt sich der Test auch durchführen, allerdings ist die Reaktion dann eher schwach und man muss schon genau hinsehen. Das ist dafür aber nicht ganz so gefährlich wie das herumhantieren mit Säuren.
Fazit: die Dekosteine waren für mein »Betonwasser« im Aquarium verantwortlich. Hätte ich den Test nur mal besser vor dem Dekorieren gemacht. Jetzt sind die Steine alle aus dem Wasser raus und der Härtegrad sinkt langsam. Wer sich also beim eigenen Aquarium über hohe Wasserhärte wundert oder fremde Steine (aus dem Laden oder selbstgesammelt) als Deko einsetzen möchte sollte sie sich vorher genauer ansehen und überprüfen, ob sie die Wasserchemie positiv oder negativ beeinflussen.
Update und Sicherheitshinweis: Wer, wie ich und wie im Video zu sehen, eine starke Säure verdünnen möchte, sollte tunlichst darauf achten, erst das Wasser zu nehmen und dann erst die Säure dazugeben. Macht man es andersherum und schüttet das Wasser zu der Säure, kann das, bei starken Säuren wie zum Beispiel Schwefelsäure zu einer starken exothermen Reaktion führen, die das Wasser schlagartig in den gasförmigen Zustand versetzt. Dadurch kommt einem dann die Säure entgegengespritzt — und das möchte man eigentlich immer vermeiden. Also merke: »Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das ungeheure!«
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Tags: Aquaristik, Aquarium, Chemie, Deko, Garnelen, Säure, Steine, Testen, Video, Wasserhärte
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Moin Andreas
Das ist aber ärgerlich.
Da ich ja auch ein Layout plane, ist für mich die »Steinfrage« sehr wichtig.
Ich mag kühle und geradlinige Layouts mit Pflanzen als i-Tüpfelchen.
Das ganze sollt aber zu 100% Artgerecht sein.
Bei meinem Stöbern bin ich über diesen Shop gestossen:
http://www.aquamoos.de/product_info.php?info=p372_Seiryu-Stein.html
Vieleicht ist das ja eine Alternative.
Gruß
Ralf
Hallo Ralf,
ja, etwas ärgerlich, aber nunja. Für den Iwagumi-Stil (hab da auch noch ein Becken in Planung) gibt es ein paar schöne Steine, die das Wasser gar nicht oder nur geringfügig aufhärten. Einen hast Du ja schon als Beispiel gezeigt.
Die Information, ob ein Stein die Wasserchemie verändert oder nicht steht leider nur selten an den Steinen dran. Vor allem in Aquarienabteilungen in Baumärkten oder auch in Zoofachgeschäften findet man nur die Steine im Regal und keine weiteren Hinweise. Die Verkäufer sind mit der Frage dann meist auch überfordert. Muss man also schon fast im Netz bestellen oder sich vor Ort sehr gut mit Steinen auskennen, um zu wissen, was für Brocken man da in den Fingern hat.
Ich hatte auch schon beim Einkauf Probleme, die Beratung im Baumarkt (mit Zooabteilung) war diesbezüglich besser, als die beim kleinen Händler neben an ;-).
Es gibt eine gute Alternative zur Schwefelsäure oder anderen Zutaten, die man in Apotheken kaufen kann/muss (wo ich sehr ungern einkaufe, aber das ist eine andere Geschichte), nämlich Essigessenz. Gibt’s in jedem Lebensmittelladen, sogar bei Discountern für wenig Geld und weniger Fragen, als in Apotheken. Ein Tropfen und es gibt bei falschen Steinen einen schönen Soundeffekt!
Mit Essigsäure bzw. Essigessenz funktioniert es natürlich auch. Sogar mit Zitronensaft oder –Konzentrat sollte man eine Reaktion erkennen können. Auf jeden Fall ist es wesentlich ungefährlicher als mit Schwefelsäure. Im Video ist die Reaktion mit der Schwefelsäure aber etwas »netter« ;-)
Ack. Aktionmässig ist das oben nicht zu überbieten! Bei meinem Test eines Spaghettisteins gabs nur coolen Sound,aber sah lahm aus…:)