ELENA-Datenbank, ePetitionen eingereicht
Es ist mal wieder soweit. Für alle, die bei der medienwirksamen »Zensursula«-Debatte letztes Jahr ihre virtuelle Unterschrift unter die bisher erfolgreichste ePetition gegen die Zensurvorhaben der Bundesregierung gesetzt haben, sollten ihre Zugangsdaten für den ePetitions-Server des Bundestages wieder raussuchen und abstauben — sie werden wieder gebraucht, Eure Stimme wird wieder gebraucht! Diesmal geht es gegen die geplante ELENA-Datenbank.

cc by a_kep
Fast zeitgleich wurden dazu zwei Online-Petitionen beim Bundestag eingereicht und vom Bundestag angenommen und warten auf Eure Mitzeichnung. Bei der ersten Petition geht es, kurz gesagt, gegen das Vorhaben an sich, eine Datenbank und das anhängende Verfahren einzurichten, die in so vielen Belangen gegen Datenschutzbestimmungen verstösst. In der Begründung des Petenten Peter Casper heißt es:
»Es werden unzulässig Daten erhoben, die weit über den ursprünglichen Sinn des Gesetzes hinausgehen. Zum Beispiel werden Streik– oder Aussperrungszeiten gespeichert, die Arbeitgeber müssen Abmahnungs– und Kündigungsgründe angeben. Dem Sinn des Gestzes widerspricht schon der 2 jährige Aufbau einer Datenbank, die auch mit erheblichem Aufwand der Arbeitgeber verbunden ist. (…) Nach meiner Meinung wurde mit diesem Gesetz das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt.«
Die zweite Petition will den Umfang der Daten, die durch ELENA erfasst werden, deutlich reduzieren. In der Begründung schlägt Thomas Herr vor, dass viele Daten nicht in ELENA aufgenommen werden sollen — unter anderem Fehlzeiten, unbezahlter Urlaub oder Streikzeiten. Er begründet das wie folgt:
»Es geht kein Finanzamt und keine Krankenkasse an, wenn ich zu spät zur Arbeit komme, wenn ich streike, wenn ich unbezahlten Urlaub nehme und so weiter. Ich fühle mich als Bürger total gläsern und total vom Staat überwacht. Desweiteren zweifle ich an, ob dieses Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht stand hielte.«
Worum geht es bei ELENA aber nun genau? Mit dem Aufbau der Datenbank für den elektronischen Entgeltnachweis (kurz: ELENA) sollen, unter dem Vorwand der Kostenersparnis, zukünftig in Deutschland Einkommensnachweise zentral gespeichert werden. Das Verfahren beinhaltet die geplante zentrale Speicherung von Arbeitnehmerdaten und die Nutzung dieser Daten durch die Agenturen für Arbeit und weitere Stellen. Diese Zentralerfassung der Daten würde jeden sozialpflichtigen Arbeitnehmer gläsern machen. Hier muss man die Frage stellen dürfen, warum der Staat Informationen über Krankzeiten oder Arbeitsausfälle durch zum Beispiel Streiks haben muss. Diese Daten sind wenn dann nur für den Arbeitgeber selbst interessant und wichtig. Allein schon durch diese Erfassung ist zu befürchten, dass sich Arbeitnehmer unter Druck und Beobachtung gesetzt fühlen. Erfasst sollen diese Daten übrigens durch den Arbeitgeber selbst. Die (zusätzlichen) Kosten dieser Erfassung sollen hier auch vom Arbeitgeber aufgebracht werden. Bei allen Bemühungen, die ELENA-Datenbanken und das ELENA-Verfahren einzuführen wurde wiedereinmal der wichtigste Grundsatz des Datenschutzes missachtet: Nur nicht erfasste Daten sind vor Missbrauch sicher!
Leider wird es schwierig, dieses Thema medienwirksam publik zu machen, die ePetitionen werden vermutlich nicht an den Erfolg der »Zensursula«-Petition anknüpfen können. Dennoch sollte jeder mitmachen, die beiden Petitionen mitzeichnen und, ganz wichtig, es weitersagen. Vielleicht schafft es einer der Petitionen doch noch, für Aufsehen zu sorgen!
- Petition: Datenschutz — Aufhebung des elektronischen Entgeltnachweises (ELENA)
- Petition: Datenschutz — Modifizierung des elektronischen Entgeltnachweises (ELENA)
Quellen:
- Stoppt ELENA!, Kritische Informationsseite zum ELENA-Verfahren
- ELENA-Verfahren, Wikipedia
- ELENA Datenbank: Zwei E-Petitionen gestartet, gulli.com
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Tags: Datenschutz, ELENA, ePetition, Petition, Politik, Privacy
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