Link-Kürzer: Kurzadressen um jeden Preis?

Linkkürzungsdienste wie tinyurl, bit​.ly oder tr​.im erfreuen sich in Zeiten von Mikroblogging-Diensten wie Twitter oder identi​.ca immer grösserer Beliebtheit. Allerdings ist man bei der Nutzung immer auf den externen Anbieter ange­wiesen. In Veröffentlichungen mit nur kurzer Lebensdauer, zum Beispiel die schon ange­spro­chenen »Tweets«,  ist ein Ausfall oder die Einstellung des Link-Kürzers sicher noch zu verschmerzen. Möchte man aber eine Kurz-URL etwas dauer­hafter verlinken muss man darauf vertrauen, dass der Anbieter auch in ein paar Wochen die benutzte Kurzadresse noch korrekt weiter­leitet.

Kette

© michael andre may / pixelio

Fällt der Anbieter aus funk­tio­nieren auch die kurzen Adressen nicht mehr. Das kann mitunter schonmal ärgerlich werden, wenn man kurz zuvor eine der verklei­nerten URLs weiter­ge­geben hat und dann nichts mehr geht. Mit der Nutzung von Link-Kürzern torpe­diert man eine wichtige Grundeigenschaft des Internets. Ein Grundpfeiler der Stabilität des Netzwerks ist seine dezen­trale Organisation. Inhalte sind nicht zentral auf wenigen Servern und Systemen gespei­chert sondern im ganzen Netz verteilt. Fällt ein Teil des Netzes aus bleiben alle anderen Teile weiter erreichbar. Soweit die Theorie. Arbeitet man aber nur noch mit »fremd­ge­kürzten« Adressen legt man das Wohl und Wehe der Erreichbarkeit dieser URLs in die Hände der vergleichs­weise wenigen Anbieter. Bekommt, wie im Fall tr​.im geschehen dieser Anbeiter ein Problem damit, den Dienst weiter betreiben zu können werden die Kurzadressen alle wertlos. Eine unschöne Vorstellung.

Aber warum machen wir das alles eigentlich? Das Kürzen, zurecht­stutzen und klein­schneiden von Web-Adressen? In dem Artikel »Kaputt gekürzt« auf heise online trifft der Autor den Nagel mit folgender Aussage auf den Kopf:

Wenn wir ehrlich sind, haben wir das alle ein wenig mit verbockt (außer natürlich die Besserwisser, die das alles schon immer gewusst haben). Wir opferten Benutzbarkeit auf dem Google-Altar und Adressen im Web wurden mit der Zeit immer unhandlicher.

Suchmaschinenoptimierte URL-Monster tippt man heut­zutage nicht mehr ein. Man gibt sie auch nicht mehr mal eben so am Telefon weiter und in E-Mails brechen solche langen Adressen teilweise mehrfach um oder werden vom Mail-Client zerstü­ckelt und funk­tio­nieren nicht mehr richtig. Suchmaschinen freuen sich über lange und aussa­ge­kräftige URLs, gewichten teilweise Schlagworte in den Adressen besonders stark und so ist es Webmastern nicht zu verübeln, wenn hier zum Zwecke eines besseren Rankings optimiert wird. Die Benutzbarkeit bleibt aber immer mehr auf der Strecke. Wer darauf ange­wiesen ist, einen Verweis auf einen Artikel in den Tiefen einer Webseite am Telefon oder viel­leicht auch in einem Podcast, einem Video-Abspann etc. weiter­zu­geben, der wird gerne auf einen Link-Kürzer zurück­greifen. Mit all den schon beschrie­benen Problemen und Gefahren.

Ein ganz anderes Risiko bei der Nutzung von Kurz-Adressen sollte auch bedacht werden — die Sicherheit. Einer Kurz-URL sehe ich vor dem Anklicken nicht an, wo sie mich hinführen wird. Kann selbst der mittel­mäßig erfahrene Surfer an einer normalen Web-Adresse noch erkennen, wo der Browser beim Klick landen wird, eine Kurz-URL gibt ihr Geheimnis erst nach dem Klick preis. Es gibt sogar Link-Kürzer die gar nicht mehr direkt auf die lange Version der Adresse umleiten sondern den Originalinhalt nur in einem iFrame darstellen. Bei ow​.ly beispiels­weise bleibt die Kurz-Adresse in der Adresszeile des Browsers stehen, unter einem ow.ly-Statusbalken wird die ursprüng­liche Webseite dann angezeigt. Da erklärt man Nutzern mühevoll über Jahre hinweg, sie sollen darauf achten, was im Adressfeld des Browsers angezeigt wird — und dann das. Diese Entwicklung wird wahr­scheinlich in Zukunft bei den großen Anbietern zum Standard werden. Immerhin kann man so sicher noch die ein oder andere Werbung plat­zieren. Ob man sich zudem als Nutzer immer sicher sein kann, dass der ange­zeigte Inhalt auch wirklich mit dem Originalinhalt überein­stimmt, bleibt fraglich. Ein versierter Nutzer wird sicher kein Problem damit haben, den Inhalt zu prüfen. Aber der zusätz­liche Aufwand macht die kurzen Adressen eigentlich auch wieder uninteressant.

Damit aber noch nicht genug. So wurden auch schon Fälle bekannt, in denen die Umleitungsdatenbanken von Anbietern von Crackern mani­pu­liert wurden. So zeigt die Kurz-URL plötzlich nicht mehr auf die Online-Rezeptsammlung von Tante Trudi sondern auf einen Online-Shop der besonders günstige kleine blaue Pillen verkauft. Oder alle Adressen eines Anbieters leiten plötzlich auf diesen Artikel hier. Ich denke, das käme einer Distributed Denial of Service Attacke (DDoS) gleich an dem sich Millionen nichts­ah­nender Internetnutzer beteiligen.

Die Menge der möglichen Probleme und Gefahren beim Einsatz von Link-Kürzern ist groß. Man sollte beim Einsatz daher das Gehirn nicht gänzlich abschalten — ein Tipp, den man auch sonst bei der Nutzung des Internets beher­zigen sollte. Bevor man eine Kurz-URL weitergibt tut man gut daran, zweimal zu überlegen, ob diese wirklich nötig ist. Faulheit alleine ist kein sonderlich gutes Argument, das für den Einsatz einer Kurzadresse spricht. In besagten Mikroblogging-Diensten wie Twitter kommt man indes fast nicht um die hand­lichen URLs herum. Um beim Surfen im Netz nicht gänzlich blind eine geschrumpfte Adresse anklicken zu müssen, gibt es für den Browser Firefox beispiels­weise das Plugin »Long URL Please«, das die kurzen Adressen vor dem Anklicken in die langen Originaladressen zurück übersetzt.

Betreibt man selbst eine Webseite und möchte auf eigene Artikel verweisen sollte man prüfen, ob es neben den such­ma­schi­nen­op­ti­mierten langen Adressangaben auch kürzere Wege gibt, den Inhalt abzurufen. Viele Content Management oder Blog Systeme bieten die Möglichkeit, Unterseiten auch direkt über die Seiten-ID anzu­sprechen. Für Wordpress gibt es auch zahl­reiche Plugins, die einen eigenen KurzURL-Dienst für die in Wordpress hinter­legten Artikel anbieten. Damit wäre eine prak­ti­kable Weitergabe der Adressen in E-Mails, am Telefon oder auf dem Bierdeckel kein Problem mehr. Und der Empfänger sieht auch gleich anhand der Adresse schon, was Sache ist.

Eine ganz andere Möglichkeit ist es, einen eigenen Link-Kürzer zu betreiben. Der oben genannte und zitierte heise-Artikel hat mich selbst zu diesem Schritt inspi­riert und so habe ich unter der Adresse burls​.de (byteorder’s url shortener) einen eigenen »URL shortener« einge­richtet. Dieser Dienst ist aller­dings nur privat für interne Zwecke gedacht und wird nicht öffentlich nutzbar sein — jeden­falls was das Generieren von kurzen Adressen angeht. So werde ich in Zukunft beim Twittern von Links auf meine Blog-Artikel usw. mit meinem eigenen Dienst arbeiten. Das hat für mich den Vorteil, dass ich selbst die Kontrolle über die von mir gene­rierten Abkürzungen behalte, unab­hängig von externen Anbietern bin und die Nutzer, die diese Links anklicken keinem fremden Anbieter weitere Verbindungsdaten zur statis­ti­schen Analyse liefern. Der Schritt, einen eigenen Kürzungsdienst einzu­richten mag etwas überzogen erscheinen, aber als tech­nik­in­ter­es­sierter Netznutzer gehören derlei Experimente wohl dazu. Neben dem eigenen Web-, Mail– und Jabber-Server nun eben auch der eigene Link-Kürzer.

Als Software kommt zur Zeit der Einfachheit wegen yourls zum Einsatz. Nach ein paar Anpassungen der PHP-Scripte, vor allem was die API für den externen Zugriff angeht, läuft das ganze schon ganz ordentlich. Wer unter den Blog-Einträgen hier auf den »Twitter das«-Button klickt sieht den Link-Kürzer schon in Aktion. So ist dieser Artikel hier unter der kurzen Adresse http://​burls​.de/2mr erreichbar. In naher Zukunft, so wie die Zeit es zulässt, werde ich aber yourls sehr wahr­scheinlich gegen ein eigenes Script ersetzen. Warum? Weil’s geht. *g*

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2 Kommentare

  1. Das seh ich genauso, URL Shortener sind aus den von dir genannten Gründen durchaus proble­ma­tisch. Nicht zu wissen wo man hinsurft ist ein komisches gefühl.
    Leider gibts da bei sachen wie Twitter wo man extrem platz­mässig beschränkt ist fast keine alternative.

    Wobei das aufsetzen eines eigenen URL Shorteners zwei­fellos eine intres­sante und witzige Lösung ist … aber wenn das viele leute täten, gingen uns ganz schnell die kurzen domains aus ;-)

    Was besseres fällt mir aber leider auch nicht ein …

    Gruß Marco

  2. Für den Firefox gibt es wie gesagt ein Plugin, aber das wird die Welt auch nicht retten. Die ganz para­noiden können weiterhin noch »per Hand« den HTTP-Request »HEAD / HTTP/1.0″ an den Kurzurl-Webserver schicken und sich den zurück­ge­lie­ferten Location-Header ansehen. ;-)

    Ansonsten hilft wohl nur eins: Augen zu und durch. ;-)

    Wirklich kurze URLs gibt es ja eigentlich schon nicht mehr. Und wenn jeder seinen eigenen Linkverkürzer betreiben würde hätte das den Vorteil, dass man die Datenberge, die man hinter­lässt kleiner wären…

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