Lurch des Jahres zu Besuch
Gestern Abend stand meine Terrassentür ein paar Minuten offen und als ich sie schließen wollte saß ein kleiner Molch in meiner Wohnung auf dem Parkettboden und glotzte mich neugierig an. Jetzt ist der Anblick eines Molchs nicht wirklich etwas besonderes, wenn man einen Teich im Garten hat. Aber dieser kleine nächtliche Besucher faszinierte mich dann doch irgendwie, und anstatt ihn direkt wieder nach draußen zu setzen bereitete ich ihm in einer großen Glasvase, in der ich normalerweise Wasserpflanzen halte ein kleines Quartier. So konnte ich den Lurch etwas näher in Augenschein nehmen.
Wasser, ein Schieferstein als kleine Insel und dazu noch etwas Grünzeug, damit der Molch es etwas angenehmer hat, während ich ihn beobachte. Wie und wo das Tier den doch etwas härteren Winter überstanden hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist der kleine nach langem Winterschlaf auf Nahrungssuche unterwegs gewesen — jedenfalls bildete ich mir ein, aus den Molchblicken das Wort »Hunger« herauszulesen.
Und damit stand auch schon eine interessante Frage im Raum: »Was frisst so ein Molch eigentlich?« Ist der gemeine Molch Vegetarier oder doch vielleicht ein karnivores Tier? Das auf die Schnelle angebotene Garnelenfutter rührte der Schwanzlurch jedenfalls nicht an, genauso wenig wie das Grünzeug — was ich gut verstehen kann.
Aber wofür hat man denn das Wissen der Welt im Computer? Google und Wikipedia wissen Rat in jeder Lebenslage, auch wenn es um Ernährungsfragen in »Molchdingen« geht. Kleine Insekten und Würmer, also Fleischfresser. Sympathisches Tier, aber doch zum Hungern verurteilt. Im Winter mal eben ein paar Fliegen fangen ist leider etwas schwieriger. Außer einer kleinen Spinne und einer winzigen Fliege hatte ich leider nichts in der Vorratskammer für meinen Besucher. Damit war schnell klar, dass der Molch nicht lange bleiben kann und bald wieder in den Garten zurück darf muss.
Ein bisschen Stöbern in der Wikipedia lässt mich vermuten, dass mein Molchfreund zur Gattung der Schwanzlurche und zur Art der Teichmolche (Lissotriton vulgaris) gehört und dass er tatsächlich auch ein er ist. Wie der Zufall es will hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) den Teichmolch zum »Lurch des Jahres 2010″ ausgerufen.
Mein prominenter Besucher zeigte sich dann auch von der schönsten Seite und ich konnte ein kurzes Video drehen, auf dem man unter anderem die schöne Rückenzeichnung sehen kann.
Hat man die Chance, einen Lurch über einen etwas längeren Zeitraum zu beobachten, wird man feststellen, dass das sehr faszinierende und schöne Tiere sind, die leider in einigen Ländern schon zu den bedrohten Tierarten gehören. In Deutschland ist der Teichmolch zwar noch weit verbreitet, in Rheinland-Pfalz steht er allerdings schon auf der Vorwarnliste. In der Natur hat ein Molch eine Lebenserwartung von einigen Jahren, in Gefangenschaft sind einzelne Exemplare sogar schon 28 Jahre alt geworden. Die Fütterung der Tiere ist leider etwas komplizierter, daher beschränke ich mich darauf, die Tiere im Gartenteich zu beobachten.
Das folgende Gedicht »Der ewige Molch« stammt wahrscheinlich von einem auf Diät gesetzten Molch, der anstatt fetter Fliegen nur Salat zu fressen bekam:
Ich will nicht länger Molch sein, so stoss’ ich mir den Dolch ‘rein. Oh Gott, das hält kein Molch aus, so zieh’ ich halt den Dolch ‘raus. Verflucht, dass ich ein Molch bin! Doch nein – ich werf’ den Dolch hin. Oh, wenn ich doch kein Molch wär’! Doch dafür muss der Dolch her! Ich will nicht länger Molch sein, so stoss’ ich mir den Dolch ‘rein. …
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Tags: Amphibie, Beobachten, Besuch, Lurch, Molch, Reptil, Tier, Video, Wasser
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Also ich würde den Molch einfach mal ins Garnelenbecken setzten… Dann sollte sich auch das Populationsproblem bei den Garnelen von selbst erledigen :-D
Auf die eine oder andere Weise würde sich das »Molchproblem« sicher dann lösen… ich befürchte aber, nachher noch dickere Garnelen zu haben. ;-)