Nacktscanner für mehr Sicherheit?

cc by Mike Licht, NotionsCapital​.com

Die Diskussion um das Für und Wider so genannter Nacktscanner oder »Bodyscanner« geht ja nun schon eine ganze Weile. Gab es zunächst (zum Glück) in Deutschland doch eher Zurückhaltung, was den Einsatz dieser Körperscanner anging, so wurden Rufe nach ihnen wieder laut, nachdem kürzlich ein vermeint­licher Terrorist in ein Flugzeug gelangen konnte. Dass dieser Vorfall wahr­scheinlich auch mit vorhan­denen Bodyscannern nicht zu vermeiden gewesen wäre, tut bei den jetzt wieder laut werdenden Befürwortern der neuen Technik scheinbar nichts zur Sache. In der kürzlich im ZDF ausge­strahlten Sendung »Markus Lanz« wurde ein solcher Nacktscanner dem Publikum vorge­führt — und dabei kamen ein Techniker und ein CDU Politiker in Erklärungsnot.

Der als Gast einge­ladene Physiker Werner Gruber soll als Experte die Funktionsweise eines solchen Scanners dem Publikum näher bringen — und schafft es auf äußert humor­volle Weise, die angeblich so tolle Sicherheitstechnik durch den Kakao zu ziehen. Scheinbar nebenbei zaubert er aus seinen Taschen, unter einem Pflaster am Bein und aus dem Mund — neben dem vorher ange­kün­digten Handy und dem Taschenmesser — noch diverse Röhrchen Thermit, einen Zünder und ein Feuerzeug hervor. Alles vom Nacktscanner nicht erkannt — und alles in dieser Kombination für ein Flugzeug hoch­ge­fährlich. Die Gefährlichkeit der vom Körperscanner überse­henen Stoffe wird auch sofort draußen vor dem Studio demons­triert. Dieser Ausschnitt aus der ZDF-Sendung ist äußerst sehenswert, da er die Absurdität, mit der die Politik wieder versucht, ein Problem durch mangel­hafte Technik und Eingriffe in unsere Grundrechte zu lösen aufzeigt.

Nicht nur der sichtlich in Erklärungsnot geratene Techniker blamiert sich mit seiner Apparatur bis auf die Knochen, auch Wolfgang Bosbach (CDU) glänzt mit Un– und Halbwissen und setzt ganz am Ende noch einen drauf, indem er selbst­sicher verkündet, es ginge bei dem ganzen primär um eine »gefühlte Sicherheit«. Aha… das ist ja ganz toll, Herr Bosbach. Damit wir uns sicherer fühlen — es aber faktisch nicht sind — sollen wir also Grundrechtseingriffe und Einblicke in unsere Intimssphäre hinnehmen und akzep­tieren? Entschuldigung, aber geht’s noch? Nacktscanner sind das unsin­nigste, was seit langem von der Politik im Kampf gegen den Terror gefordert wird. Anstatt, dass man sich um die Absicherung kriti­scher Bereiche auf Flughäfen kümmert wird der Reisende weiter gegängelt und unter Generalverdacht gestellt. Jeder halbwegs ambi­nio­nierte Terrorist lacht sich doch halb tot bei solchen Aktionen und den Witzfiguren, die nach noch mehr Sicherheitstechnik schreien.

Herr Gruber hat am Ende der Sendung, auf die Frage, welche Maßnahmen er denn für sinnvoll halte eine sehr reali­tätsnahe und weit­sichtige Meinug, der ich mich so unein­ge­schränkt anschließen kann: gegen Verrückte kann man sich nie schützen. Man sollte versuchen, dafür zu sorgen, dass es den Menschen gut geht, dann wird dem Terrorismus der Boden entzogen.

Wenn unsere Freiheiten weiter einge­schränkt und kastriert werden, dann hat der Terrorismus gewonnen und sein Ziel erreicht. Mit jedem bißchen Freiheit, das wir aufgeben müssen, um frei zu sein helfen wir dem Terrorismus ans Ziel: der Einschränkung unserer Freiheiten und Rechte.

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Ein Kommentar

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