Neueinrichtung meines Nano-Aquariums
Nach der Einrichtung und erfolgreichen Übersiedlung aller Bewohner von meinem 10 Liter Dennerle Cube in mein neues Edge stand das kleine Becken eine ganze Weile lang leer. Aber wenn einen das Aquarien-Fieber einmal gepackt hat ist das ein unhaltbarer Zustand und nicht von Dauer. Also habe ich mich vor einigen Tagen an die Neueinrichtung des Nano-Cubes gemacht und heute endlich fertiggestellt.
Im Vorfeld hab ich mir einige Gedanken zur neuen Einrichtung gemacht. Fest stand, dass ich mal etwas »Neues« ausprobieren wollte. Hatte ich damals vor knapp einem Jahr das Komplett-Rundum-Sorglos-Paket von Dennerle gekauft wollte ich diesmal ein bißchen mehr tüfteln und selbermachen. Als Bodengrund sollte diesmal nicht der Standard-Garnelenkies herhalten sondern doppelt gebrannte Tonerde, wie sie für gewöhnlich in der Bonsai-Pflege zum Einsatz kommt. Akadama heißt das in vielen Wirbellose-Online-Foren und von einigen Garnelen-Züchtern empfohle Produkt. Man findet es nur in wenigen Aquaristik-Zubehörläden, Bonsai-Shops führen den braunen Bordengrund aber fast immer im Sortiment. Hier sollte man darauf achten, auch wirklich doppelt gebrannte Erde zu erwerben. Die Bezeichnung »double line branded« ist in diesem Fall irreführend, da es sich nur um eine Markenbezeichnung handelt. Akadama-Erde soll für eine leichte Absenkung des pH-Werts sorgen und zudem das Wasser etwas enthärten. Für meine Leitungswasserwerte eigentlich optimal.
Bei der Filtertechnik war ich mir längere Zeit unschlüssig. Einen Innenfilter wir er von Dennerle dem Cube beigelegen hat wollte ich nicht mehr einsetzen. Dafür ist mir der Platz in dem kleinen Würfel zu wertvoll. Ein Hamburger Mattenfilter, egal ob als Rück– oder Seitenwand oder in der Eck-Variante fiel daher leider auch nicht in die engere Auswahl. Bleiben nur noch für so geringe Wassermengen viel zu große und überdimensionierte Außenfilter oder einfache Rucksackfilter — oder ein Bodenfilter. In den letzten Wochen habe ich viel über Bodenfilter gelesen, darunter viele positive aber auch einige negative Meinungen. Das Funktionsprinzip machte mich aber zunehmend neugierig und so fiel letztendlich die Entscheidung, einen Bodenfilter für das Nano-Becken selbst zu bauen.
Beim Inhalt und der Gestaltung des Beckens war mir im Vorhinein klar, dass es »aufgeräumt« sein soll, also nicht zu viel grün und das meiste davon kleinbleibende Bodendecker sowie ein oder zwei schöne, große Steine als Blickfang. Keine Wurzel oder anderes Dekomaterial. Letztendlich habe ich mich für zwei Brocken Seiryu-Stein entschieden, die durch ihre zerklüftete Form und die Farbe einen schönen Kontrast zu dem Dunkelbraun des Akadama-Bodens bilden sollten. Als Bepflanzung kam dann etwas »Kubakraut« (Hemianthus callitrichoides cuba), ein sehr klein bleibender Bodendecker für den Vordergrund dazu. Im Hintergrund, als »Tarnung« für das Förderrohr des Bodenfilters, entschied ich mich für Proserpinaca palustris, eine sehr schöne Pflanze, die ich bei vorherigen Recherchen irgendwie immer übersehen habe.
Das zusammentragen der Einzelteile dauerte allerdings aus Zeitmangel etwas länger. Schon seit Wochen lag ein Sack mit Akadama hier rum, auch die Steine konnte ich in der Zwischenzeit besorgen. Für den Bodenfilter musste ich noch ein bißchen planen und letztendlich auch etwas basteln. Letzte Woche endlich konnte ich dann die gesuchten Pflanzen erstehen und mit den Vorbereitungen beginnen.
Um die Pflanzen von eventuellen Dünge– und Pestizidresten zu befreien wurden sie erstmal gut sechs Tage lang gewässert. Damit sie dabei genug Licht bekommen habe ich sie der Einfachheit halber im Cube zusammen mit den Steinen und den Einzelteilen für den Bodenfilter aufbewahrt — bei täglichem Wasserwechsel natürlich. Zusätzlich habe ich die ersten zwei Tage das Mittel »No Planaria« hinzugegeben, um es eventuell eingeschleppten Parasiten und Schnecken schwer zu machen. Tatsächlich konnte ich nur eine kleine Schnecke und ein kleines weißes Würmchen wenige Stunden nach der ersten Behandlung entdecken und aus dem Becken entfernen. Die restlichen Tage war von unerwünschten Tieren keine Spur.
Heute bin ich dann in den Baumarkt gefahren und habe etwas Luftschlauch und eine Belüfterpumpe erstanden, um den Bodenfilter zu betreiben. Nach ersten erfolgreichen Tests der erdachten Konstruktion gings dann los und ich habe das Becken mit einer Schicht Zeolith auf dem Bodenfilter und einer großzügigen Schicht Akadama gefüllt. Ein mir gefälliges »Hardscape« war schnell gefunden, so dass ich die ersten zwei Liter Wasser vorsichtig durch das Ansaugrohr des Bodenfilters in das Becken füllen konnte. Dadurch stieg das Wasser langsam von unten im Aquarium an und wirbelte keinen Bodengrund auf. Als die oberste Schicht Akadma gerade feucht wurde kamen die Pflanzen an die Reihe. Das Kubakraut hat sehr kurze und feine Wurzelen und lässt sich äußerst schlecht einpflanzen. Ich hoffe, es bleibt die nächsten Tage im Boden stecken bis es anwurzelt. Das einpflanzen der Palustris-Stengel machte da weniger Probleme.
Insgesamt habe ich etwa zwei Liter (hartes) Leitungswasser und fünf Liter weiches Wasser in das Becken eingefüllt. Von der Deko und dem Bodengrund werden also knapp drei Liter Wasser verdrängt. Bei der Neueinrichtung eines Beckens sollte man immer darauf achten, wieviel Wasser man tatsächlich einfüllt, um später Dünger, Medikamente oder andere Chemikalien korrekt dosieren zu können. Zusätzlich zum Wasser habe ich noch etwas flüssiges Filtermedium und etwas Mulm aus dem eingefahrenen Edge gegeben, um die Bakterienansiedlung zu beschleunigen.
Das anfangs noch durch den nicht ausgewaschenen Bodengrund getrübte Wasser wurde schon nach nur zehn Minuten durch den Filter deutlich geklärt. Nach einer knappen Stunde war das Wasser glasklar. Der selbstgebaute Bodenfilter scheint also zu funktionieren.
Ich bin die nächsten Tage auf die Veränderung der Wasserwerte gespannt. Der Bodengrund müsste gerade am Anfang noch größere Veränderungen herbeiführen. Die wenige Stunden nach dem Befüllen gemessenen Werte zeigen schonmal, dass die Tonerde das Wasser wie erwartet beeinflusst: pH 6,0, gH 5° dH, kH 1° dH, NO3 10 mg/l, Fe2 < 0,01 mg/l, Fe3 < 0,01 mg/l.
Im Vergleich zum Ausgangswasser, das ich eingefüllt habe sind die Werte von Gesamt– und Karbonhärte um etwa fünf Grad gefallen. Der pH-Wert ist um einen Punkt gesunken. Hierauf werde ich die nächsten Wochen während das Becken einläuft ein besonderes Augenmerk legen, um die Wasserwerte bei Wasserwechseln zu stabilisieren. Gesamt– und Karbonhärte werde ich etwas anheben müssen. Einen kH-Wert von 5 – 6 °dH strebe ich an, um pH-Wert-Schwankungen abzufangen und diesen Wert zu stabilisieren. Aber hier heißt es erstmal abwarten und beobachten wie sich die Werte im Becken einpendeln.
Den im Vergleich zum Leitungswasser oder dem Wasser in meinem Edge recht hohen Nitrat-Wert kann ich mir noch nicht so recht erklären. Aber auch hier heißt es erstmal Geduld haben, bis sich in ein paar Tagen die ersten Bakterien ansiedlen und sich darum kümmern. Sobald die Pflanzen mit dem Wachstum beginnen sollte der Wert ebenfalls sinken.
In folgendem kleinen Video gibt es einen ersten kurzen Eindruck von dem frisch eingerichteten Becken. Die Scheiben sind noch leicht angeschmutzt und es hängen überall noch Luftblasen. Das Kubakraut im Vordergrund sieht ebenfalls etwas zerrupft aus. In spätestens zwei Wochen wird das aber alles (hoffentlich) besser aussehen. *g*
Kleines Update vom 17.02.2010: Nach nun etwas mehr als 24 Stunden, in denen das Becken nun einläuft habe ich erneut gH, kH und pH gemessen. Die Werte haben sich im Vergleich zur ersten Messung nicht verändert. Der pH-Wert ist weiterhin bei 6,0, kH quasi nicht feststellbar bzw. bei 1° dH und die Gesamthärte bei 5° dH. Ich rechne damit, dass der pH-Wert in den nächsten Tagen wieder leicht ansteigen wird, da der kH-Puffer dann aufgebraucht sein könnte. Ggf. hält der Bodengrund den pH-Wert aber auch weiter unten. Mal sehen, wie es sich entwickeln wird.
Update vom 18.02.2010: 36 Stunden nach Neueinrichtung sind die Wasserwerte sind immer noch unverändert und stabil. Heu
te allerdings den ersten 30% Wasserwechsel gemacht — die ersten zwei Wochen werde ich das alle drei Tage machen. Als Wechselwasser habe ich gut zwei Liter Leitungswasser genommen. Das Leitungswasser hat einen pH von knapp über 7 und ist mit gut 23° dH sehr hart. Gespannt war ich auf die Änderung der Wasserwerte im Cube. Einige Stunden nach dem Wasserwechsel dann die Überraschung: kH ist immer noch bei 1° bzw. nicht feststellbar, der pH ist von 6 auf 6,5 leicht gestiegen und die Gesamthärte ist ebenfalls auf 8° dH gestiegen. Es scheint so, als ob der Bodengrund weiter für die starke Absenkung der Karbonhärte sorgt. Ich werde beim nächsten Wasserwechsel erneut reines, hartes Leitungswasser nehmen und die Werte weiter beobachten.
Update vom 21.02.2010: So, der nächste Wasserwechsel stand an. Wieder zwei Liter hartes Leitungswasser eingewechselt. Die Wasserwerte vorher waren unverändert, sprich kaum feststellbare Karbonhärte, gH bei 8° und ein pH von 6. Etwa 30 Minuten nach dem Wasserwechsel habe ich die Werte interessehalber nochmal gemessen. Wie zu erwarten lag die Gesamthärte nun höher bei 10 °. Die Karbonhärte lag ebenfalls etwas höher bei 3°. Auch der pH-Wert war leicht um 0,5 Punkte erhöht und Eisen nach wie vor nicht feststellbar (wo sollte das Eisen auch herkommen?). Der Nitratwert lag allerdings jetzt bei nur noch bei 4 mg/l, also deutlich gesunken zur letzten NO3–Messung vor ein paar Tagen (10 mg/l). Da diese Absenkung aber auch mit dem gerade durchgefühten Wasserwechsel zu erklären wäre habe ich nach ca. zwei Stunden nocheinmal die Werte genommen. Zu meiner Überraschung liegt die Gesamthärte nun nur noch bei 8°. Diese Absenkung führe ich auf den Bodengrund zurück. Die Karbonhärte ist erwartungsgemäß auch gesunken und lag bei 2°. Dieser Wert wird wohl wieder auf unter 1° sinken. Diese Entkarbonisierung führe ich aber nicht mehr nur noch auf den Bodengrund zurück. Durch die hohe Sauerstoffzufuhr treibe ich sehr wahrscheinlich das im Wasser gelöste CO2 aus. Die Pflanzen benötigen zum Wachsen allerdings Kohlenstoffdioxid. Fehlt dieses gelöst im Wasser können sie bedingt die für die Karbonhärte verantwortlichen Mineralien »aufbrechen« und umsetzen. Hier enthärten also zur Zeit meine Pflanzen das Wasser. Da der Nitratwert nicht mehr weiter angestiegen ist und nach wie vor knapp bei 4mg/l liegt vermute ich, dass hier die ersten Bakterien am Werk sind, und das Nitrat abbauen. Dabei sollte wieder CO2 entstehen, so dass die Pflanzen hier einen ersten Lieferranten haben. In den nächsten Tagen werde ich ein paar Schnecken einsetzen, die den Stoffwechsel im Becken weiter ankurbeln, so dass der CO2–Gehalt weiter leicht steigen sollte — und damit der kH-Wert des Wassers nicht mehr so stark sinkt. Der pH-Wert scheint sich irgendwo zwischen 6 und 6,5 einzupendeln.
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Tags: Akadama, Aquaristik, Aquarium, Bodenfilter, Bodengrund, Cube, Dennerle, Einrichtung, Nano, Neueinrichtung
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Moin Andreas
Da haste mal wieder ein schönes Stück »Biotop« gebaut.
Ich bin mal gespannt wie sich dein Selbstbaufilter verhält. Bei der Pfütze ist es ja nicht gerade einfach, die Wasserwerte im grünen Bereich zu halten.
Ich hoffe das dein Kubakraut wächst.
In einem Tropica Video wird das Zeug sogar mit einem Rest Steinwolle eingepflanzt, eben weil es so pfieselig ist.
Gruß
Ralf
Hallo Ralf,
freut mich, wenn dir die »Pfütze« in meiner Küche gefällt. ;-)
Das geringe Beckenvolumen ist so oder so immer ein Problem. Als das Nano-Cube noch auf meinem Schreibtisch stand hatte ich nur etwa sechs Liter Wasser drin. Ein stabiles Ökosystem zu halten ist da etwas knifflig. Anstatt einmal die Woche einen großen Teilwasserwechsel zu machen habe ich immer alle zwei bis drei Tage einen bis 1 1/2 Liter gewechselt und versucht, das Wechselwasser möglichst nahe am Aquarienwasser zu halten. Das hat auch ganz gut geklappt. Pflanzenwuchs war äusserst üppig und den Garnelen ging es auch prima.
Bei dem Bodenfilter denke ich wird das sogar noch etwas einfacher. Der Bodengrund sollte den pH-Wert stabilisieren und durch die große Filterfläche ist sehr viel Platz für Bakterien, die sich um Nitrit, Nitrat, Phosphat usw. kümmern. Wird schon klappen. ;-)
Holzwolle wollte ich auf keinen Fall dranlassen. Zur Not wird das Kraut mit irgendwas beschwert bis es angewachsen ist. Irgendwie wird es sich irgendwann schon am Boden festhalten.
Gruß,
Andreas